Kiebitzschutz im Landkreis Bamberg

Artenschutzprojekt des LBV Bamberg in 2021: Bestandsaufnahme und Sicherung von Gelegen

Das von der Unteren Naturschutzbehörde geförderte Projekt zum Schutz der als stark gefährdet bewerteten (Rote-Liste-Art in Bayern) Kiebitzvorkommen bescherte 2021 im Landkreis 50% der gesichteten Gelege Bruterfolg. Nach der Erfassung der 6 (4 im nördlichen, 2 im südwestlichen Landkreis) balzenden Bodenbrüterpaare und deren Gelegestandorte, im März bereits, wurden im weiteren Verlauf erfolgreich  informelle Gespräche mit den Bewirtschaftern der Agrarflächen geführt, die in schriftlich fixierten Vereinbarungen (gegen Aufwandsentschädigung) endeten, um dann die Standorte großflächig (ca. 150m²) abstecken zu können zur Sicherung der Gelege während der Bewirtschaftung. Trotz der gelungenen Schutzbemühungen mussten drei der sechs Gelege als "ohne Bruterfolg" verbucht werden, da das Nest entweder geräubert (Fuchs?) oder (bei zwei Nestern) nach dem Schlüpfen der Jungvögel ohne sicheren Grund nicht mehr belegt war.

Getreidefeld mit Kiebitzgelege
Getreidefeld mit Kiebitzgelege
Ausschnitt, Bilder: Martin Wölker
Ausschnitt, Bilder: Martin Wölker

AK Wiesenweihe - Feuerwehr-Aktion im Juni dieses Mal leider nicht rechtzeitig

Nachdem seit 10 Jahren wieder ein Wiesenweihenpaar im Tal der Reichen Ebrach bei Herrnsdorf seit Mitte Juni 2021 regelmäßig beobachtet werden konnte, war die Hoffnung auf eine Brut des seltenen Wiesenbrüters groß.

Schließlich konnte ein Getreidefeld ausgemacht werden, das das Weibchen regelmäßig an der gleichen Stelle anflog. Jetzt musste nur noch der Bewirtschafter desselben gefunden werden, um die Brut zu schützen. Zwar bekam Thomas Stahl, der dieses Schutzprojekt leitete, die Information von der Unteren Naturschutzbehörde unverzüglich, dennoch war es zu spät. Der Landwirt hatte bereits das „Wiesenweihenfeld“ komplett abgeerntet und das Weibchen des Brutpaares saß einsam auf dem Stoppelfeld.

Am 26. Juni, zwei Tage nach der unerwartet frühen Ganzpflanzensilierung des Feldes für Biogasanlagen, machte sich ein achtköpfiges Nachsuchteam der LBV-Kreisgruppe auf, um das Weihennest zu finden. Überraschenderweise fanden wir nicht nur das Nest, sondern auch ein Gelege, bestehend aus vier Eiern, von denen noch eines, wenigstens äußerlich, unbeschädigt war. Die ungewöhnlich späte Brut, mutmaßlich bedingt durch das nasskalte Frühjahr, wurde dem Nachwuchs des Greifvogelpaares zum Verhängnis. Ob es ein Nachgelege geben wird, ist fraglich, denn das Weihenmännchen wurde seit dem tragischen Erntetag nicht mehr gesichtet.

So bleibt nur die Hoffnung auf einen erneuten Brutversuch im nächsten Jahr und auf mehr Glück bei unseren künftigen Schutzmaßnahmen.

Andreas Märtlbauer

nachfolgende Bilder: Andreas Märtlbauer 

Brachvogelschutz im Landkreis Bamberg

Artenschutzprojekt des LBV Bamberg in 2021: Bestandsaufnahme und Sicherung von Gelegen

Bild: Tatiana Bednarikova
Bild: Tatiana Bednarikova

Im Rahmen dieses geförderten Artenschutzprojektes konnten zwei Gelege des Großen Brachvogels mittels Elektrozäunen gesichert werden.

 

Bayernweite Berichte zum Bestand des Großen Brachvogels und weiterführende Informationen, auch zu dem seit 2017 laufenden LBV-Satellitentelemetrie-Projekt (gemeinsam mit dem Landesamt für Umwelt LfU, gefördert durch den Bayerischen Naturschutzfonds), finden Sie hier 

Albino-Hausrotschwanz, Bild: Martin Wölker
Albino-Hausrotschwanz, Bild: Martin Wölker

 

LAUNE DER NATUR

 

Eine ganz ungewöhnliche, fast gespenstische Erscheinung versetzte selbst unseren ersten Vorsitzenden Martin Wölker in Erstaunen: Das Gebaren und die Statur dieses weißen Kerlchens im Federkleid ganz klar ein eher unauffällig gefärbter Hausrotschwanz, aber hier nun völlig weiß, ein Albino.

Vor die Linse bekam unser ornithologisch versierter Naturfreund ihn beim Vogelzug im Frühjahr 2021 im Landkreis Lichtenfels bei Pferdsfeld.

Hausrotschwanz, Bild: Martin Wölker
Hausrotschwanz, Bild: Martin Wölker

 

 

Zum Vergleich eine Ablichtung eines prachtvoll, anthrazit gefiederten, mit kontrastreichen orangeroten Schwanzfedern aufgeregt knicksenden Hausrotschwanzmännchens.

 

Der kleine Sperlingsvogel, der meist als Einzelgänger unterwegs ist, ernährt sich vor allem von Insekten, die meist vom Boden aufgenommen werden, nachdem sie von einer Sitzwarte aus erspäht wurden. Eingesetzt wird aber auch der Rüttelflug, mit dem er Beutetiere von höher gelegenen Gehölzen oder Gesteinen ablesen kann.

Rotmilan

im Jagdflug bei Kemmern

 

 

 

Bilder:

Martin Wölker


Besondere Vogelbeobachtungen in 2020

Für den ornithologisch Interessierten gab es leider keine außergewöhnlichen Sichtungen wie die Jahre vorher.

Für zahlreiche Naturfreunde stellte jedoch die Ansiedlung eines Weißstorchpaares auf einem Strommast unweit der Stadtgebietsgrenze nördlich des Äbtissensees eine echte Attraktion dar, die mit Spannung aufmerksam verfolgt wurde und unserem Büro einige Hinweise bescherte. Weitere Infos dazu finden Sie hier

Besondere Vogelbeobachtungen im Landkreis Bamberg in 2019: 

Tüpfelralle, Rotfußfalken, Großer Brachvogel & Co - unser reich strukturierter Landkreis als Eldorado für gefiederte und nicht gefiederte Freaks -

Auch 2019 hat es wieder einige besondere Beobachtungen von Arten, die normalerweise bei uns nicht gesichtet werden, in unserem Landkreis gegeben.

In der Gemeinde Pommersfelden wurde im Frühsommer, nach der Beobachtung eines Paares in 2017 und zwei Paaren 2018, im vergangenen Jahr wiederum zwei Paare des Großen Brachvogels gesichtet. Zwischen Kemmern und Baunach konnten drei Kiebitzpaare ausgemacht werden.

Eine Gruppe von Rotfußfalken wurde bei Strullendorf beim Durchzug gesichtet. Genauso konnten Dunkle Wasser- und Kampfläufer sowie Rotschenkel beim Durchzug beobachtet werden. Auch ein Singschwan überwinterte wieder bei uns, ebenso wie 5 Raubwürger. Und sogar eine balzende Tüpfelralle als Ergebnis einer jahrelangen erfolgreichen Lebensraumgestaltung durch den Biber vor Ort gab sich die Ehre. Bei Pettstadt wurden drei Wachtelkönige beobachtet. Ebenso als durchziehende Reisende konnten Zwergschnepfen zwischen Burgbrach und Schlüsselfeld ausgemacht werden. Und bei der letztjährigen birdrace konnte ein Ortolan beobachtet werden, der hier eine Rast einlegte.

Sicherlich wurden viele weitere interessante Beobachtungen gemacht. Wenn Sie uns Ihre Beobachtungen mitteilen möchten, wenden Sie sich am besten per Mail unter bamberg@lbv.de an das Büro. Wir werden ihre Beobachtungen dann gerne in unsere Berichterstattung und Dokumentation aufnehmen.

Schwarzstörche am Äbtissensee, Bild: Heribert Blankenheim
Schwarzstörche am Äbtissensee, Bild: Heribert Blankenheim

Besondere Vogelbeoabachtungen in 2018:

Merlin, Dunkle Trauerseeschwalbe und Schwarzstorchbuffet im Äbtissenseeareal

In Gundelsheim wurde eine junge Wasserralle nach einer Mahd von feuchten Wiesenflächen plötzlich zwischen Hühnern entdeckt, als Pflegling von einer engagierten Vogelfreundin aufgepäppelt und am Säugriessee wieder in die Natur entlassen.

Als besonderen Wintergast im Januar durften wir einen Merlin, den kleinsten europäischen Falken, bei Burgebrach begrüßen. Bei Zapfendorf überwinterte ein Singschwan. Auf dem Durchzug wurden im Landkreis im Frühjahr wieder Kampfläufer und Wiedehopfe gesichtet. Bei der birdrace Anfang Mai wurden bei Zapfendorf die auffälligen Dunklen Wasserläufer beobachtet. In der Gemeinde Pommersfelden kam es im Frühsommer, nach der Beobachtung eines Paares in 2017, im vergangenen Jahr zu zwei Bruten des Großen Brachvogels. Im Herbst wurde am Säugriessee, südlich von Dörfleins ein Nachtreiher gesichtet. Im langjährigen Vergleich bot sich beim Herbstzug der Kraniche ein großartiges Schauspiel über Bamberg, denn es konnten mehrere Trupps beobachtet werden. Zum Ende des Jahres wurden bei Breitengüßbach am Porzner See Zwergsäger ausgemacht. Am Äbtissensee bei Hallstadt wurden die kleinen Dunklen Trauerseeschwalben, die in einigen Verbreitungsgebieten vom Aussterben bedroht sind und in Deutschland in der Roten Liste, Kategorie 1 geführt wird, beobachtet. Ein besonders eindrucksvolles Bild ergab sich als im fast ausgetrockneten Äbtissensee vier Schwarzstörche zu frühmorgendlicher Stunde, vergesellschaftet mit etwa 50 Graureihern den reichlich mit Wasserschnecken gedeckten Gewässerboden durchstöberten.

Wasserrallenpflegling - Knäkente - Rohrammer, Bilder: Martin Wölker, Max Dorsch (Rohrammer)

Stieglitz - Sperlinge - Wanderfalke - Blaumeise, Bilder: Martin Wölker (Stieglitz), Max Dorsch (Sperlinge, Wanderfalke, Blaumeise)

Uhu - Schwarzspecht - Mandarinente - Nilgans - Wintergoldhähnchen, Bilder: Max Dorsch (Uhu, Schwarzspecht), Martin Wölker (Mandarinente, Nilgans, Wintergoldhähnchen)

Weißstorchschutz

Die Daten & Fakten zu den Horst-standorten im Landkreis werden regelmäßig erfasst und an die LBV-Weißstorchexpertin Oda Wieding zur zentralen Dokumentation, Auswertung und Maßnahmenko-ordination weitergeleitet.

Amphibienschutz

Die Kreisgruppe ist im Landkreis im Amphibienschutz gemeinsam mit anderen engagierten Mitma-cher*innen aktiv.

Äbtissensee

Seit 2015 befindet sich das Areal des Äbtissensees unter den Fittichen des LBV Bamberg und darf sich als wertvoller Feuchtle-bensraum natürlich entwickeln.

Kreisgruppenaktivitäten

Beratung in Artenschutzfragen für das häusliche Umfeld, Nistkasten-kontrollen, Informationsstände, Exkursionen und vieles mehr.